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Foto: Jörg Meier

Unsere Verbraucherschutz-Philosophie

Von öffentlichen und privaten Entwässerungsnetzen und gemeinsamer Verantwortung

In jeder Stadt ist es die zentrale Aufgabe der zuständigen Abwasserunternehmen, das erzeugte Abwasser durch das Kanalsystem zur Kläranlage zu befördern. Teile dieses Kanalsystems sind in öffentlicher, andere in privater Hand. Die öffentlichen Kanalabschnitte sind aufgrund regelmäßiger Wartung weitestgehend dicht; die privaten Kanalabschnitte sind es nicht.

Die Folgen undichter privater Grundstücksentwässerungsanlagen:

  • Verschwendung der Ressource Wasser durch Exfiltration: Durch die defekten Leitungen versickern tagtäglich große Abwassermengen im Untergrund. Statt die Kläranlage zu erreichen, verschmutzen sie den Boden und das Grundwasser der Stadt.
  • Verschwendung der Ressource Energie durch Infiltration: Durch schadhafte Leitungen dringt Grundwasser in die Kanäle ein. Dies stellt eine erhebliche und in der Sache unnötige Mehrbelastung für die Kläranlagen dar. Eine vom SAL durchgeführte Untersuchung zeigt etwa, dass 2005 rund 5.700.000 m³ Fremdwasser zur Lippeverband-Kläranlage Lünen-Sesekemündung gelangten. Zusätzliche, im Vergleich aber geringe Fremdwasseranteile fließen in eine Kläranlage der Emschergenossenschaft.
  • Verschwendung umfassender Ressourcen bei den Maßnahmen privater Investoren: Private Grundstückseigentümer werden bei der Erfüllung ihrer Pflicht zur Investition in ihre Entwässerungsanlagen alleingelassen. Wenn private Grundstückseigentümer investieren, tun sie es in der Regel weder nachhaltig noch ressourceneffizient – nicht für die Umwelt und nicht für sich selbst.

Drei Parteien sind bei der privaten Grundstücksentwässerung an der Umsetzung der gesetzlichen Richtlinien zentral beteiligt:

  • Die Kommune oder das von ihr beauftragte Abwasserunternehmen sorgen als verlängerter Arm des Gesetzgebers für die Einhaltung der Richtlinien und überprüfen deren Umsetzung.
  • Freie Dienstleister übernehmen die praktische Umsetzung im Auftrag der Grundstückseigentümer.
  • Die Grundstückseigentümer selbst.

Das schwächste und zugleich wichtigste Glied in dieser Kette sind die Grundstückseigentümer, die Bürger: Sie sind es, die handeln müssen. Und sie sind zugleich diejenigen, die die Sachlage am schlechtesten einschätzen können. Deshalb liegt der Fokus des Lünener Modells auf dem Verbraucherschutz-Gedanken: und somit auf den Bürgern.

Handlungszwang ohne Sachkenntnis? Nicht in Lünen.

Für die Mehrzahl der Grundstückseigentümer ist das Thema Grundstücksentwässerung ein Buch mit sieben Siegeln. Diesbezügliche rechtliche, technische und wirtschaftliche Zusammenhänge sind für sie schwer durchschaubar, die Folgen ihres (Nicht-)Handelns können sie nicht abschätzen, und oft wissen sie noch nicht einmal, dass sie für ihre unterirdisch liegenden Anlagen verantwortlich sind. Denn rechtlich verletzen private Kanalnetzbetreiber, die ihre Abwasseranlagen nicht instand halten, ihre Sorgfaltspflicht.

Das Problem ist in der Fachwelt bekannt, seine Folgen sind es auch. Dennoch ist es bis heute nicht gelungen, wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln und – was entscheidender ist – diese auch durchzusetzen.

Die Hauptgründe für das bisherige Scheitern sind:

  • Die technischen Möglichkeiten der Inspektion und Sanierung richteten sich an dem System der öffentlichen Kanalisation aus. Dieser Ansatz ist aber für die private Kanalisation ungeeignet. Er ist zu teuer und findet daher keine Akzeptanz bei privaten Kanalnetzbetreibern. Was fehlt, sind einfache und doch effiziente technische Verfahren. Verfahren, die auch für private Investoren bezahlbar sind.
  • Das unzureichende (Umwelt-)Bewusstsein der Verantwortlichen – der Eigentümer der privaten Grundstücksentwässerungsanlagen: Diese sind sich des Problems nicht oder nicht in ausreichendem Maße bewusst. Sie verstehen nicht, warum sie handeln sollen und was ihr Handeln oder Nichthandeln bewirkt – für die Umwelt im Allgemeinen, aber auch ganz konkret für sie selbst.
  • Private Grundstückseigentümer werden bei den gesetzlich geforderten und für die Umwelt und ihre eigene Sicherheit notwendigen Investitionen in ihre Entwässerungsanlagen alleingelassen. Was fehlt: eine Instanz, die alle Investitionen – öffentliche und private – koordiniert. Damit auch private Investitionen nachhaltig und ressourceneffizient umgesetzt werden können und nachhaltig wirken. Diese Instanz darf keinerlei finanzielles Eigeninteresse verfolgen. Der Ansatz des SAL: Der städtische Abwasserbetrieb ist für diese Aufgabe die beste Wahl.

Wir vom SAL haben eine Vision

Wir möchten, dass die Bürger unserer Stadt

  • den Wert des eigenen Handelns für ihre Grundstücksentwässerungsanlagen erkennen,
  • uns, dem SAL, als Ratgeber ohne finanzielles Eigeninteresse vertrauen,
  • mündig werden und weitestmöglich selbst erkennen können, was gut und was schlecht für sie ist und
  • am Ende ihres Handelns nach bestem Wissen und Gewissen ein Erfolgserlebnis haben: nicht nur ein Zertifikat, sondern auch das sichere Gefühl, etwas für sich und die Umwelt gleichermaßen getan und ihr direktes Lebensumfeld aufgewertet zu haben. Damit sie verstehen, dass das Gesetz sie, ihr Eigentum und ihren Lebensraum schützt. Damit sie verstehen, warum sie handeln müssen. Damit aus äußerem Zwang innere Überzeugung werden kann.

Nachhaltige Veränderungen? Nur im Dialog.

Im Zentrum des Lünener Modells steht unsere Überzeugung, dass nachhaltige Veränderungen und damit ein nachhaltiger neuer Umgang mit den Ressourcen Wasser und Energie in der Grundstücksentwässerung nur im Dialog mit allen Beteiligten herbeigeführt werden können. Dazu müssen folgende Rahmenbedingungen für alle Beteiligten gegeben sein:

  • Gleiche Augenhöhe: Durch die Beratung des SAL werden Bürger aufgeklärt und somit den Dienstleistern gegenüber zu mündigen Verhandlungspartner, die ihre Interessen eigenständig vertreten können und das gemeinsame, übergeordnete Ziel kennen.
  • Klare Spielregeln: Im Rahmen klarer Spielregeln können Dienstleister und Grundstückseigentümer gleichermaßen sicher agieren. Diese klaren Richtlinien müssen unserer Meinung nach von dem einzigen Partner im Grundstücksentwässerungsdreieck verfasst werden, der keinerlei finanzielles Eigeninteresse hat: dem städtischen Abwasserunternehmen.
  • Überprüfbare Leistungen (Nachprüfbarkeit): Bürger müssen sich sicher sein können, dass die Ergebnisse ihres Handelns nach einheitlichen Kriterien nachprüfbar sind.

Dreisaeulen
Grafik: SAL
Die drei Säulen des Verbraucherschutzgedankens nach dem Lünener Modell.

Die Gesetze lassen den Kommunen einen gewissen Handlungsspielraum bei der Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften. Wir vom SAL nutzen diesen Spielraum im Sinne der Bürger unserer Stadt und mit den folgenden Zielen:

Verbraucherschutz – Information, Beratung und Sicherheit für private Kanalnetzbetreiber

Wir vom SAL sind überzeugt, dass gute und langfristige Lösungen nur gemeinsam gefunden werden können. Und dass Bürger und Kommunen nicht Gegner, sondern Partner sind.

Umfangreich informierte Bürger sind mündige Bürger. Mündige Bürger verstehen, warum sie handeln – und handeln deshalb im Rahmen ihrer Möglichkeiten gern.

Das Ziel unserer Beratung ist deshalb, dass Betreiber privater Entwässerungsanlagen in ihrem eigenen Interesse erkennen:

  • dass ihre Grundstücksentwässerungsanlage dauerhaft funktionieren muss,
  • dass ihre Rohrleitungen standsicher sein müssen,
  • dass so bei Starkregenereignissen Überflutungen verhindert werden können,
  • somit auch Wasserschäden mit Zerstörung der Bausubstanz und Gesundheitsproblemen als Folge verhindert werden,
  • dass der Wert ihrer Grundstücksentwässerungsanlagen und somit der Wert der Gesamtimmobilie durch Pflege und Wartung möglichst lange erhalten bleibt,
  • dass schadhafte Anlagen ein Risiko für die Umwelt darstellen,
  • dass möglicherweise, etwa durch alternativen Umgang mit dem Regenwasser, Abwassergebühren eingespart werden können
  • und sie durch ihr Handeln nachhaltig zum Umwelt- und Ressourcenschutz beitragen.

Um die Unsicherheit für die privaten Kanalnetzbetreiber zu verringern, hat der SAL für die Stadt Lünen diverse Mechanismen und Regeln geschaffen und das Projekt „Grundstücksentwässerungsanlagen“ somit auch für private Investoren auf sichere Beine gestellt. Mithilfe unserer Datenbank GEIS haben wir vom SAL dabei nicht nur ein einheitliches Beratungssystem für Bürger geschaffen, sondern auch jederzeit all unsere Aktivitäten rund um die Grundstücksentwässerung genau im Blick – und können nächste Schritte deshalb sehr effizient planen. Das ist auch notwendig. Wer wie wir vom SAL mit öffentlichen Geldern operiert, muss wirtschaftlich denken und handeln, sich jederzeit reinen Gewissens in die Karten blicken lassen, jeden Schritt begründen können. Sonst ist es schnell vorbei mit dem Vertrauen des Verwaltungsrates – und dem Vertrauen der Bürger. Der Lünener Verwaltungsrat steht heute hinter uns. Das macht uns stolz und zeigt uns: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Gute Beratung ist die Basis

Die Beratungsaspekte des SAL

Beratung zum Neubau

  • Einbau von Rückstausicherungen
  • Überflutungsschutz von Gebäuden
  • Regenwasserbewirtschaftung
  • Bau von Abwasserbehandlungsanlagen
  • Be- und Entlüftung von Abwasserleitungen
  • Bau von Dränagen
  • Hydraulische Dimensionierung
  • Bau der Leitungen
  • Bau von Kontrollschächten
  • Brand-, Wärme und Schallschutz
  • Schutz vor Gebäudevernässung

Beratung zum Betrieb

  • Was gehört nicht in den Kanal?
  • Qualitätsanforderungen an das eingeleitete Abwasser
  • Außerbetriebnahme
  • Antrag zum Anschluss an den öffentlichen Kanal

Beratung zur Unterhaltung

  • Wartung von Hebeanlagen
  • Wartung der Kontrollschächte
  • Wartung der Rückstausicherungen
  • Umgang mit Wurzeleinwuchs in Abwasseranlagen
  • Wartung von Dränagen und Kontrollöffnungen
  • Schutz vor Vernässungen an Gebäuden
  • Wartung der Überflutungsschutzanlagen
  • Wartung der Be- und Entlüftungsleitungen
  • Schutz vor Rattenbefall
  • Umgang mit Bergsenkungen
  • Wartung von Abscheideranlagen
  • Betreuung bei öffentlichen Kanalbaumaßnahmen
  • Begleitung bei baulichen Veränderungen
  • Betreuung bei der Zustands- und Funktionsprüfung
  • Reinigung der Entwässerungsanlagen
  • Bestimmung der Sanierungsnotwendigkeit
  • Festlegung der Sanierungsfrist
  • Begleitung bei der Sanierungsplanung

Das Kommunikationskonzept eines Unternehmens ist zweifelsohne wichtig, aber es reicht nicht aus, Zettel und Broschüren zu verteilen. Konkrete Beratung – idealerweise auf dem Grundstück selbst – ist unerlässlich. Wir haben daher beim SAL ein umfassendes Beratungskonzept entwickelt. Mit unserer selbst entwickelten Datenbank GEIS sind wir dabei hocheffizient: Jeder Berater kennt zu jeder Zeit den aktuellen Stand der Entwässerungsanlagen auf jedem Grundstück der Stadt: Ist der Ratsuchende schon mal bei einem Beratungstermin gewesen? Wenn ja: Was wurde dort besprochen? Ist sein Grundstück zertifiziert – ja oder nein? Liegt es in einem Risikogebiet? Wurde die Zustandsprüfung (ehemals: Dichtheitsprüfung) abgeschlossen, die Sanierung der Punkte XY steht aber noch aus? Handelt es sich um einen Neuanschluss? Dies und noch viel mehr weiß die GEIS und ordnet die Grundstücke auch nach gewünschten Kategorien. So ist jeder Berater beim SAL stets bestens informiert und kann den Bürgern schnell und effizient weiterhelfen.

Am Ende steht eine Handlungsempfehlung, und die Bürger bekommen auch eine Mappe mit Informationsmaterial überreicht, damit sie das Gehörte zu Hause noch einmal durchgehen oder nachschlagen können.

Die Beratung beim SAL ist unentgeltlich für die Bürger und bezieht sich bei der Nennung der Risiken nicht nur auf entstehende Umweltschäden, sondern geht auch auf konkrete Bedrohungen für das individuelle Objekt ein. Umweltschutz und Objektschutz gehen Hand in Hand. Dennoch: Es handelt sich um eine Grobberatung und Risikobetrachtung; Sanierungspläne werden hier nicht erstellt.

Oft findet die Erstberatung in den Geschäftsräumen des SAL statt. Seit einigen Jahren schreiben wir Grundstückseigentümer in Risikogebieten gezielt an und nennen ihnen einen Beratungstermin, an dem wir zu ihnen kommen, um sie auf ihrem Grundstück zu beraten. Dies spart trotz der Anfahrt für den Experten des SAL Zeit, und wir erreichen besonders kritische Grundstücke so zuverlässiger und schneller. Dass eine solche Maßnahme von den Bürgern auch mit Freude aufgenommen wird (denn das ist in Lünen in der Regel der Fall), liegt unserer Ansicht nach auch an unserer langjährigen Vorarbeit.

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