Luenen lippebruecke nselisky
Foto: N. Selisky, pixelio
Lünen, Lippebrücke.

Das Lünener Modell

Die Projektmerkmale des Lünener Modells in Kürze

Pro Umweltschutz: Schätzungsweise 50 % der 18.900 privaten Kanalnetze in Lünen stellen derzeit ein Risiko für die Umwelt dar. Das übergeordnete Ziel des Lünener Modells: ein dichtes privates Abwassernetz.

Bürgernah: Aufklärung statt Handlungsdruck – Grundstückseigentümer werden vom SAL als Non-Profit-Unternehmen unabhängig und daher zuverlässig beraten. Behörde und Bürger verfolgen als Partner ein gemeinsames Ziel. Mündige Bürger sind handlungsfähige Bürger.

Integrativ und interdisziplinär: Kooperation statt Frontenbildung – das Lünener Modell setzt auf Dialog und bringt Bürger, Dienstleister, Kommune und Abwasserunternehmen an einen Tisch. Als Lünener Quartierbeiräte unterstützen Bürger ehrenamtlich und aus freien Stücken die professionellen Berater des SAL.

Qualitätsbewusst: Vom SAL definierte Qualitätsstandards, ausgewählte und öffentlich gelistete Qualitätsdienstleister und der Qualitätskreis Grundstücksentwässerung schützen Umwelt, Dienstleister und Bürger gleichermaßen.

Wirtschaftlich: Das Lünener Modell fordert machbare Standards: größtmöglicher Nutzen für die Umwelt, möglichst geringe Kosten für die Bürger. Deren Handlungsmotivation steigt und bringt damit alle schneller zum Ziel: eine Stadt, in der alle Rohre dicht sind. Das Qualitätsmanagement innerhalb des SAL und ein kritischer Verwaltungsrat garantieren, dass auch SAL-intern Aufwand und Nutzen im Gleichgewicht bleiben.

Ressourceneffizient: Der SAL koordiniert mithilfe des Lünener Modells die Investitionen der privaten Grundstückseigentümer rund um ihre Entwässerungsanlagen. Diese Investitionen der Bürger sind so erstmals zielgerichtet und effizient und wirken nachhaltig. Ressourcen werden hierbei auf allen Ebenen gespart – sowohl materiell als auch immateriell. Ein dichtes privates Entwässerungsnetz spart messbar Wasser- und Energieressourcen. Mündige Bürger entwickeln Eigeninitiative, denken mit und entlasten die Kommune und deren Mitarbeiter langfristig. Das im SAL entwickelte Informationssystem zur Grundstücksentwässerung (GEIS) koordiniert und optimiert die Arbeitsabläufe der Mitarbeiter bei der Beratung. Das Lünener Modell bezieht die Dienstleister mit ein und setzt klare Regeln für die Untersuchung und Sanierung der Entwässerungsanlagen. So hat der SAL auch langfristig Einfluss auf die Nutzung und Weiterentwicklung der Sanierungsmethoden am Markt und kann deren Ressourceneffizienz in Teilen mit beeinflussen. Nachhaltige Lösungen setzen ein grundlegendes Umdenken voraus – das Lünener Modell setzt nicht nur an einer einzigen Stelle an, sondern bezieht alle Akteure mit ein, wirkt an allen neuralgischen Punkten – und spart somit langfristig Ressourcen auf unterschiedlichsten Ebenen.

Nachhaltig: Das Lünener Modell wirkt über die Erreichung seines übergeordneten Ziels hinaus: im Dialog zwischen Bürgern, Kommune und Dienstleistern. Und in den mündigen Bürgern, die verstandene Inhalte verinnerlichen und an die nächste Generation weitergeben: eine neue Generation von Verbrauchern.

Übertragbar: Das Lünener Modell ist auf jede andere Gemeinde übertragbar und kann von ihr angewendet werden.

Unter unseren Städten mit ihren Marktplätzen, Straßen, Häusern und Bäumen liegt ein Netz aus Straßen, das wir nicht sehen und das daher oft vergessen wird: das Entwässerungsnetz – eine unterirdische, für das Auge weitestgehend unsichtbare Stadt. Es besteht aus zwei Teilen: dem privaten und dem öffentlichen Netz. Für das öffentliche Abwassernetz ist die Kommune zuständig; und in Lünen wir vom SAL. Für das private Netz sind die Grundstückseigentümer zuständig. Und nur wenn Bürger und Kommune Hand in Hand arbeiten, ist das Entwässerungsnetz in Lünen dicht.

Warum wir ein dichtes Entwässerungsnetz brauchen – und es bis heute nicht haben.

Ein dichtes Abwassernetz bedeutet: gute Umweltbedingungen, keine Rattenplage, stabile Entwässerungsgebühren, Werterhalt der Immobilien in Lünen – und Sicherheit und Schutz bei Starkregen für die Bewohner unserer Stadt.

Drei Seiten sind an der Umsetzung dieses sicheren Kanalnetzes beteiligt: der Gesetzgeber, die Kommune (in Lünen in diesem Bereich vertreten durch uns, den SAL) und die Bürger, konkret: die Grundstückseigentümer unserer Stadt.

Der Gesetzgeber hat Gesetze zur Prüfung der privaten Entwässerungsanlagen erlassen, und er hat dazu gute Gründe:

  • Die sukzessive Erwärmung der Erdtemperatur: Temperaturveränderungen gab es schon immer; seit Beginn des Industriezeitalters steigt die Erdtemperatur merklich an. In den letzten zwanzig Jahren ist der Anstieg deutlich spürbar: Starkregenereignisse häufen sich. Höhere Temperaturen bedingen atmosphärisch viele starke Kurzregenereignisse. Die Starkregen führen zu einer erhöhten Gefahr von Hausüberflutungen, Mauerfeuchte und Überschwemmungen. Begünstigt durch das „gute Klima“ nimmt die Rattenpopulation auch in Siedlungen stetig zu.
  • Die steigende Belastung durch den Verkehr. Die Folgen: starkes Erschütterungsaufkommen, häufigere Kanaleinbrüche und Schädigungen des Straßenvermögens.
  • Sinkender Wasserverbrauch, steigende Gebührensätze: Mehrbelastung durch Verkehr und veränderte Klimabedingungen führen zu erhöhtem Wartungs- und Investitionsaufwand auch im öffentlichen Kanalnetz. Mit dem Aussterben der geburtenstarken Jahrgänge verringern sich die Einwohnerzahlen und somit die angeschlossenen Flächen im Kanalnetz. Die Folgen: Der Wasserverbrauch geht zurück. Die Einnahmen der Abwasserbetriebe sinken. Die Gebühren für jeden Einzelnen steigen an.
  • Die Versicherungen ziehen sich zurück: Erdverlegte Abwasserleitungen sind teils nicht mehr versicherbar; der Versicherungsschutz entfällt bei Anlagen, die nicht den Regeln der Technik entsprechen, und Elementarschäden lassen sich generell zunehmend schlechter versichern. Die Folgen: Absoluten Schutz vor Starkregenereignissen gibt es nicht – wohl aber vorbeugende Maßnahmen, die helfen können, Schäden so gering wie möglich zu halten. Jeder Grundstückseigentümer ist gezwungen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, selbst aktiv zu werden, sich selbst und sein Eigentum zu schützen.
  • Global gesehen werden überall auf der Welt die natürlichen Ressourcen knapp: Immer mehr Menschen müssen sich immer weniger teilen. Besonders schlecht bestellt ist es um das Süßwasser, aber auch um Rohstoffe wie Kohle, Erdgas, Erdöl und um wichtige Mineralien für die industrielle Produktion. Die fortschreitende Umweltzerstörung verschärft das Problem und schränkt die Artenvielfalt ein. Dass Biodiversität eine Grundvoraussetzung für die Stabilität der Ökosysteme – und damit letztendlich für das Überleben der Menschheit – ist, ist bis heute, so scheint es, nicht überall angekommen. Auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro im Jahr 1992 formulierten 179 Staaten mit der Agenda 21, dass nur eine gemeinsame Anstrengung die „Deckung der Grundbedürfnisse, die Verbesserung des Lebensstandards aller Menschen, einen größeren Schutz und eine bessere Bewirtschaftung der Ökosysteme und eine gesicherte, gedeihlichere Zukunft“ gewährleisten kann. Dazu bedarf es einer globalen Partnerschaft, die auf nachhaltige Entwicklung ausgerichtet ist.
  • Was für große Systeme gilt, gilt auch für die kleinen: Abwassertechnik, neue Gesetze und Normen, Klimawandel und demografische Entwicklung werden die Stadtentwässerung verändern. Die Veränderungen müssen private und öffentliche Kanalnetzbetreiber gemeinsam meistern.

Bei uns in Lünen sind die öffentlichen Leitungen in einem recht guten Zustand. Für ihre Wartung und Instandhaltung liegen umfangreiche Pläne vor; alle damit einhergehenden Maßnahmen koordinieren wir vom SAL und setzen sie ressourcenschonend und effizient um. Die privaten Leitungen hingegen sind zum überwiegenden Teil in keinem sehr guten Zustand. Gesetze und Verordnungen nehmen Bürger in die Pflicht und üben Druck aus – aber dieser Ansatz greift zu kurz, denn:

  • Rechtliche, technische und wirtschaftliche Zusammenhänge der Grundstücksentwässerung sind für die Bürger schwer durchschaubar.
  • Für sinnvolle und nachhaltige Änderungsmaßnahmen an den Grundstücksentwässerungsanlagen fehlt Bürgern oft das Geld.
  • Dienstleistungsunternehmen rund um die Grundstücksentwässerung bieten unterschiedliche Inspektions- und Sanierungsverfahren an. Welches Verfahren für das eigene Grundstück geeignet ist, können Grundstückseigentümer in der Regel nicht beurteilen.

Daraus folgt:

  • Bürger können keine ökologisch und wirtschaftlich angemessenen Entscheidungen treffen. Denn dazu sind neben der Kenntnis der Gesetzeslage auch das Wissen um die Interessen des öffentlichen Kanalnetzbetreibers, die Bedingungen der eigenen Gebäudeversicherung und eine realistische Einschätzung der Leistungen und der Leistungsfähigkeit der Dienstleister notwendig.
  • Selbst wenn Eigentümer wissen, dass eine Prüfung notwendig ist, fürchten sich viele von ihnen vor den möglichen Konsequenzen der Ergebnisse einer Prüfung – und stecken deshalb lieber den Kopf in den Sand.
  • Weil Dienstleister gewinnorientiert arbeiten, bieten sie Grundstückseigentümern oft nur die Leistungen an, die ihr Unternehmen selbst erbringen kann. Hinweise auf besser geeignete Verfahren konkurrierender Unternehmen werden in der Regel nicht gegeben. Es bleibt den Eigentümern überlassen, die ihnen zugänglichen Informationen zu bewerten – was diese in der Regel mangels Sachkenntnis auf dem Gebiet der Grundstücksentwässerung nicht ausreichend leisten können.
  • Bei der Umsetzung notwendiger Maßnahmen werden Bürger alleingelassen. Private Investitionen werden daher – wenn überhaupt – nur unzureichend und mit teils falschen Schwerpunkten und daher ineffektiver Wirkung durchgeführt.

So kommt es, dass städtische Abwasserbetriebe sich mit drei Kernfragen konfrontiert sehen: Wie bringen sie die Bürger dazu, in ihre Abwasseranlagen zu investieren? Und: Wie erfährt ein Bürger überhaupt von seiner Pflicht? Wie sorgen wir als städtisches Abwasserunternehmen dafür, dass private Abwasserunternehmen Sanierungs- und Wartungsaufgaben im Sinne des Gesetzes umsetzen? Und wie genau soll es überhaupt umgesetzt werden, das Gesetz? Konkrete Anweisungen oder Ideen dazu gibt es vonseiten des Gesetzgebers nicht. Neue Stellen werden für diese Aufgaben auch nicht geschaffen. Und so sitzen allzu oft die mit dieser Zusatzaufgabe betrauten Abwasserexperten ratlos vor einem Berg von Fragen – und kapitulieren nicht selten: aus Mangel an Zeit und einer Idee, wie sie ihrer Aufgabe gerecht werden könnten. Die Folge ist die Rückkehr zum guten, alten Beamtenschimmel und zur Sanktionskelle: Unwissenheit, ihr lieben Bürger, schützt vor Strafe nicht.

Aber Sanktionen wirken nicht nachhaltig. Menschen handeln nur gern, wenn sie verstanden haben, warum sie etwas tun sollen, und erkennen, was ihr Handeln bewirkt und nutzt. Dann identifizieren sie sich mit ihrem Tun, erachten das vormals Notwendige als sinnvoll und das Ergebnis als Gewinn. Was bisher ein Zwang von außen war, ist nun etwas, das sie tun möchten und als sinnvoll erachten. So entsteht nachhaltige Handlungsmotivation, machen wir ein fremdes Thema zu einem eigenen.

Viele weitestgehend wirkungslos verstrichene Fristen später ist offensichtlich: Die Möglichkeit, allein mithilfe von Gesetzen Handlungsdruck auszuüben, löst keines der oben skizzierten Probleme.

Die Entstehung des Lünener Modells

Grundlagen und konkrete Maßnahmen des Lünener Modells

Grundlagen: Das Lünener Modell ...

  • sieht das städtische Abwasserunternehmen als Koordinator der privat in ihre Entwässerungsanlagen investierenden Bürger.
  • setzt unter dem Leitmotiv „gelebter Verbraucherschutz“ auf Aufklärung, klare Regeln und Nachprüfbarkeit. Unser Ziel: Wir möchten, dass Bürger unserer Stadt Vertrauen in eine Kommune gewinnen, die partnerschaftlich denkt, plant und handelt.
  • führt private Investoren zu koordinierten Investitionen und ermöglicht so nachhaltiges Wirken und den zielgerichteten Einsatz von Ressourcen.
  • setzt auf Nachhaltigkeit: Aufklärung statt Druck. Wir möchten, dass die Bürger unserer Stadt sich als Investoren wahrnehmen: für die Umwelt und für sich selbst. Unser Ziel: mündige Bürger, die nicht unter Druck unwillig handeln, sondern verstehen, warum ihr Handeln notwendig ist, was es ihnen bringt – und wie sie bestmöglich vorgehen können.
  • rückt die unsichtbare Stadt in das Blickfeld der Besitzer privater Grundstücksentwässerungsanlagen und macht die Entwässerungsnetze sichtbar – damit die Notwendigkeit zur Pflege jener „unsichtbaren Güter“ den Bürgern unserer Stadt ebenso in Fleisch und Blut übergehen kann wie die Pflege ihrer sichtbaren Güter.
  • stellt im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung die Weichen für die Zukunft: Eine neue, mündige Generation privater Grundstücksbesitzer weiß, weshalb Investitionen in die unsichtbare Stadt wichtig sind und wie sie diese umsetzen können. So werden auch nachfolgenden Generationen unnötige Investitionen erspart.

Konkrete Maßnahmen des Lünener Modells

  • Das Verbraucherschutzkonzept. Zu diesem zählen unter anderem ein individuelles Beratungsmodell und das Verbraucherschutzhandbuch Grundstücksentwässerung.
  • Schadenskatalog – klare Regeln, machbare Standards: Wie eine Zustandsprüfung angemessen durchgeführt und das Ergebnis nachvollziehbar bewertet werden kann, hat uns vom SAL viel Kopfzerbrechen bereitet. Bei Fristsetzungen oder der Antwort auf die Frage, was konkret ein „dichtes“ Entwässerungsnetz eigentlich ist, haben alle Kommunen einen gewissen Spielraum. Manche Maßnahmen sind exorbitant kostspielig in der Umsetzung; andere sind günstiger, lassen aber kleine Mängel zurück. Wo zieht man die Grenze, wann schießt man über das Ziel hinaus; was ist zumutbar, was unerlässlich? Wir vom SAL haben uns das Motto der Machbarkeit auf die Fahnen geschrieben: Machbare Standards nutzen der Umwelt so viel wie möglich und kosten die Bürger unserer Stadt so wenig wie möglich. Wir möchten die Handlungsmotivation der Lünener Bürger erhöhen und so schneller zum Ziel kommen: einer Stadt, in der alle Rohre dicht sind. Unsere Standards haben wir in einem frei einsehbaren Schadenskatalog festgehalten, der Transparenz und einheitliche Beurteilungskriterien garantiert. Eine Übersicht über unsere Schadensbeurteilungskriterien finden Sie hier.
  • Der Dialog mit den Dienstleistern: Dienstleister müssen die Anforderungen der Kommune genau kennen, um sie adäquat umsetzen zu können. Wer von Wirtschaftsunternehmen außerdem erwartet, übergeordnete Ziele und Bürgerinteressen in den Fokus des eigenen Handelns zu stellen, muss hierfür konkrete Handlungsanreize schaffen.
  • Die Lünener Quartierbeiräte: Unsere Beratungsleistung erreicht oft nur Einzelne, und unsere Kapazitäten sind begrenzt. Deshalb haben wir die Lünener Quartierbeiräte ins Boot geholt – Bürger, die sich des Themas Grundstücksentwässerung annehmen und als Schnittstelle zwischen SAL und ihrem Quartier – einem Stadtteil oder Straßenzug – als Multiplikatoren agieren. Für Fachfragen sind natürlich noch immer wir vom SAL zuständig. Die Quartierbeiräte bringen das Thema Grundstücksentwässerung auch außerhalb behördlicher Anschreiben und Aufforderungen ins Gespräch und werden inhaltlich von uns geschult. „Soziale Netzwerke bauen und nutzen“, so nennen es die Marketing-Experten. Wir nennen es Brücken bauen – oder Nachbarschaftshilfe am Gartenzaun. Denn wer wirklich etwas zu bieten hat, kann durch das Aktivieren und Nutzen sozialer Netzwerke – so unsere Erfahrung – nur gewinnen.

Um diesen Missstand zu beseitigen, haben wir vom SAL das Lünener Modell entwickelt. Es entstand nicht binnen weniger Stunden an einem Schreibtisch oder im Kopf eines Einzelnen – es wächst, lebt und entwickelt sich bis heute weiter. Seit vielen Jahren nehmen wir vom SAL regelmäßig an Fachmessen und -kongressen teil und haben uns in diesem Zusammenhang seit 2003 zunehmend mit dem Thema Grundstücksentwässerung beschäftigt. Den Erfahrungsberichten der Fachreferenten zufolge wurden Bürger bei der eigenen Grundstücksentwässerung nicht in ausreichendem Maße aktiv. Das Fazit der Referenten: Man müsse mehr Druck auf die Grundstückseigentümer ausüben, damit sie ihren Pflichten bei der Instandhaltung der eigenen Kanalnetzanteile gerecht werden.
Uns fiel auf, dass die Diskussionen zur Lösung des Problems stets ohne die Betroffenen geführt wurden: die Grundstückseigentümer selbst. Bürger durch Druck zu etwas zu zwingen, das sie selbst vermutlich kaum verstanden, so unser Gedanke, stieß verständlicherweise auf Widerstand. Zielführender hingegen könnte es sein, Grundstückseigentümer über das Thema aufzuklären und ihnen aufzuzeigen, warum ihr Engagement für das Kanalnetz ihrer Stadt nicht nur gesetzlich gefordert, sondern auch inhaltlich wichtig ist. Ideal wäre es zudem, wenn der Einsatz den Grundstückseigentümern zusätzlich kleine, persönlich greifbare Vorteile für ihre Immobilie brächte. Die Idee war geboren: die Bürger mündig zu machen und ihnen so Mittel und Motivation an die Hand zu geben, selbst aktiv zu werden.
Noch im gleichen Jahr entwickelten wir für eine regionale Grundstücksmesse eine erste Präsentation zum Thema Grundstücksentwässerung und starteten im Folgejahr mit jährlich rund einem Dutzend Veranstaltungen zum Thema in den Lünener Stadtteilen. Zu Beginn war die Resonanz eher schwach, aber uns war bewusst, dass Aufklärungsarbeit auf diesem Gebiet langfristig angelegt werden muss.
In den folgenden Jahren haben wir unsere Aufklärungsarbeit kontinuierlich aufrechterhalten und sukzessive ausgebaut und differenziert. Die Probleme und Chancen, die sich uns auf dem Weg eröffneten, flossen in unsere Arbeit mit ein und erweiterten unseren Fokus. Das Lünener Modell ist ein klassisches Best-Practice-Beispiel – aus der Praxis für die Praxis. Und als solches entwickelt es sich bis zum heutigen Tag kontinuierlich weiter.

 

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